Zum Verlieben

Graupner - die Entdeckung
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Zu entdecken ist Musik von sensationeller Qualität, Musik, die direkt ins Herz geht.

Kennen Sie Christoph Graupner? Schon mal gehört vielleicht? Ach ja, ist das nicht der, der eigentlich anstelle Johann Sebastian Bachs Thomaskantor zu Leipzig werden sollte. Nein, das war doch Georg Philipp Telemann, oder?

Ruhig! Beides ist richtig: Erste Wahl fürs Leipziger Thomaskantorat war natürlich 1722 Georg Philipp Telemann, damals der absolute Superstar der deutschen Musikszene. Als Telemann dann absagte, weil sich seine Hamburger Dienstherren überreden ließen, sein Gehalt deutlich zu vermehren, wollten die Leipziger unbedingt Graupner haben. Jenen Graupner, geboren 1683 im vogtländischen Kirchberg als Sohn eines Schusters, der seit 1709 am Hofe des Darmstädter Landgrafen Ernst Ludwig als Kapellmeister wirkte und als Opern- und Kantatenkomponist gleich nach Telemann schon damals einen sagenhaften Ruf genoss. Graupner schien auch nicht abgeneigt zu sein, kannte er doch Leipzig aus seiner Zeit als Thomaner bestens. Er wusste um den hohen Stellenwert der Kirchenmusik in der Messestadt. Zudem erwies sich sein Landesherr zunehmend säumig mit Zahlungen und der Einhaltung anderen Zusagen. Graupner war entschlossen, das Leipziger Angebot anzunehmen, doch als sein Landesherr der Abwanderungsgelüste gewahr wurde, entschied Dero Gnaden mit absolutistischer Bestimmtheit: „Der Graupner bleibet!“ Und so geschah es. Das Bleiben allerdings wurde Graupner mit einer Gehaltserhöhung auf 1?100 Gulden inklusive Naturalien versüßt.

Dass der Darmstädter Landgraf diese Kosten nicht scheute, versteht man gut, wenn man heute in den Kosmos des Kantatenschaffens Graupners einsteigt, denn zu entdecken ist Musik von sensationeller Qualität! Musik, die direkt ins Herz geht: Schönste Melodienlinien, fantasievoll gesetzt und kompositorisch auf höchstem Niveau - kurz: Klänge zum Verlieben! Und wer jetzt mit dem Lamento anfängt, dass Graupner im Vergleich mit Deutschlands Barockheiligen Johann Sebastian Bach angeblich die „Tiefe“ fehle - wahrscheinlich noch bevor er eine Tonsilbe Graupners gehört hat -, möge mir bitte endlich mal erklären, was das denn sei: Tiefe. Dem instrumental wie vokal famosen Kirchheimer BachConsort gebührt großer Dank für diese Entdeckung. Möge nun, nachdem Telemann in seinem just verflossenen Jubiläumsjahr halbwegs gebührend zur Kenntnis genommen wurde, auch endlich eine Graupner-Renaissance anbrechen. Diese Doppel-CD präsentiert fünf herrliche Epiphaniaskantaten - das ist ein Anfang. Doch in den Tiefen der Bibliothek des Darmstädter Schlosses liegen noch über 1400 (!) Kantaten von Christoph Graupner. Her damit!

Reinhard Mawick

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