Edelster Rollback Mields mit Compagney

Mields mit Compagney
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Bitte einfach hörend eintauchen und sich berühren, bewegen, begeistern lassen!

Anzuzeigen ist nichts weniger als eine Sensation, aber der Reihe nach: Gut ein halbes Jahrhundert ist die sogenannte historische Aufführungspraxis sogenannter Alter Musik nun alt. Seit etwa dreißig Jahren hat sie sich zumindest für die Interpretation ebendieser Musik durchgesetzt. Diese Praxis zeichnet sich durch die Verwendung historischen Instrumentariums und das Praktizieren historischer Spieltechniken aus. Beides sorgt dafür, dass diese „Alte Musik“ ziemlich anders klingt, als wenn sie uninformiert in einem Einheitsstyle dargeboten wird, der sich uninspiriert an irgendwie (spät-)romantischen Konzertstandards des frühen 20. Jahrhunderts orientiert.

So weit, so klar, so bekannt. Aber erst seit einigen Jahren wird ein Phänomen verstärkt sicht- und hörbar, das ich edelsten Rollback nennen würde.

Was ist das? Das ist, wenn im Bereich der so genannten Alten Musik geschulte Künstlerinnen und Künstler inspiriert und motiviert durch ihre an den Epochen Renaissance und Barock perfektionierte Interpretationskunst auch deutlich neuere Musik an diesem erworbenen Reichtum teilhaben lassen. Genau das gelingt der international renommierten Sopranistin Dorothee Mields und der Lautten Compagney in ihrer neuen Produktion „War and Peace. 1648:1918.“

Das Werk ist auf drei Ebene zu loben: Zunächst einmal die großartig gelungene Programmzusammenstellung: Frühbarock meets Zwanzigerjahre, Friedrich Hollaender trifft also auf Heinrich Schütz, Hanns Eisler reicht an Scheidt, Heinrich Albert oder bisher kaum bekannte Genies des 17. Jahrhunderts weiter, und es mündet dann zum Beispiel in der Gnossienne No.3. des französischen Unikums Erik Satie, aber anstatt auf dem Klavier in einem Arrangement für . Barockensemble - die zweite Ebene.

Was sich verrückt anhört, überzeugt durch Klangsinnlichkeit und musikrhetorische Brillanz, denn die Ausführenden haben erkannt, dass es die Faszination für das Wort und die Sprache ist, die diese durch Jahrhunderte getrennten Epochen verbindet. Drittens schließlich die überragende Qualität aller Beteiligten: Natürlich wissen alle Eingeweihten, dass Dorothee Mields für Früh- bis Hochbarock eine der besten Sängerinnen der Welt ist, aber nun beweist sie auch in ganz anderen Epochen die große Wandlungsfähigkeit ihrer flexiblen und klangschönen, edlen Stimme. Faszinierend.

Ach, der Reichtum und die Fülle dieser formidablen Veröffentlichung ist schwer zu beschreiben, deshalb bitte einfach hörend und lesend (die sehr guten Beiheft-Texte!) eintauchen und sich berühren, bewegen, begeistern lassen! Und bitte alle süßliche Weihnachtsmusik vergessen, denn unter jeden Christbaum sollte, nein, muss in dieser Saison „War & Peace 1648:1918“ liegen.

Reinhard Mawick

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