Grandioser Weitblick

Porta Westfalica: Kaiser Wilhelm ist wieder in Form
Foto: pixelio/Dietmar Meinert
Foto: pixelio/Dietmar Meinert
Es lohnt sich, hier eine Pause einzulegen

Der Blick nach oben zeigt: Es hat sich etwas verändert am Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica, dem Tor nach Westfalen. Hell leuchtend umschließt ein großer Ringsockel das Monument, das als eines von sieben zur „Straße der Monumente“ gehört und das zweithöchste Denkmal Deutschlands ist. Wiehen- und Wesergebirge sind die ersten Erhebungen nach der norddeutschen Tiefebene und bringen es am Weserdurchbruch auf 210 Metern zur Geltung.

Mit Spannung haben die Ostwestfalen die Sanierungsarbeiten auf dem Wittekindsberg verfolgt. Nun, seit der Neueröffnung, zieht es sie wieder zum „alten Wilhelm“, bis in die späten Sechzigerjahre ein beliebter Besuchermagnet. Immer ruhiger war es um ihn geworden, Ausflugslokal, Kiosk schlossen, so kamen nur noch Naturliebhaber, um den Ausblick zu genießen. Das soll anders werden. Viele Tonnen Zement und Mikrostützpfeiler verhelfen zu neuer Festigkeit und alter Größe. Wieder standfest schaut der bronzene Kaiser Wilhelm I. majestätisch ins Tal. Symbolträchtig unter einem Baldachin, darauf ein goldenes Kreuz, angetan mit Stiefeln, Schwert und wallendem Mantel, hält er segnend den Arm über das Land. Man kann es auch so sehen: Der Arm weist nach Berlin, in Preußen sitzt die Macht. Das gefiel seinem Enkel Wilhelm II., der zur Einweihung am 18. Oktober 1896 mit Gemahlin, Kaiserin Auguste Viktoria, kam, um die Repräsentanten der Provinz Westfalen zu begrüßen, eine Rede zu halten und am gleichen Tag wieder abzurauschen. Nichteinmal am abendlichen Festessen nahm er teil – die enttäuschten Gastgeber platzierten an der Tafel eine Büste an seiner Stelle.

Nach Zusammenbruch der alten Ordnung auf der Suche nach gemeinsamer Identität entstanden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im neuen Kaiserreich überall Denkmäler, die germanische Vergangenheit und mächtige Männer verherrlichten und damit gemeinsame Geschichte manifestierten. Weder wolle man dahin zurück, noch dem Kaiser zu alter Herrlichkeit verhelfen, sondern mit dem Denkmal historisches Wissen vermitteln, betont Matthias Loeb, Direktor des LWL. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe als heutiger Eigentümer verhilft dem Denkmal mit großer Ringterrasse über verglasten Rundbögen, hinter denen Besucherzentrum und Gastronomie liegen, zu neuem Glanz. Das entspricht dem ursprünglichen Zustand von 1896, der damals schon kurz nach der Einweihung zu bröckeln begann. Mauersteine lösten sich, weil ein alter Stollen unter der neuen Last abzusacken drohte. Als der zum Ende des Zweiten Weltkrieges von den Nazis wieder genutzt wurde und ihn die Briten 1946 sprengten, rutschte die Terrasse ab und musste auf die Hälfte reduziert werden.

Vieles geriet in Vergessenheit. Abhilfe schafft das neue Informationszentrum, wo animierte Schautafeln, Bilderwände, Filme und eine große Panoramawand über die Geschichte der Porta von der Entstehung vor 90 Millionen Jahren bis heute erzählen. Dazu Historisches und Sagenhaftes von den Römern in Germanien, über Karl den Großen und die ersten Christen, bis zu Preußens Pathos, aber auch das Elend der NSZwangsarbeiter im KZ, das im Zweiten Weltkrieg in Barkhausen, unterhalb des Denkmals lag. Wer gut zu Fuß ist, kann sich manches aus der Geschichte auf dem anschließenden Bergkamm erwandern – zum Beispiel die Margarethenkapelle, Rest einer Klosteranlage aus dem frühen Mittelalter, die Wittekindquelle, Mauerreste einer noch älteren Kreuzkirche und germanische Wallanlagen. Wohl jeder, der von Nordosten in Richtung Ruhrgebiet über die A2 fährt, konnte spätestens in einem Stau schon einmal das Kaiser-Wilhelm-Denkmal aus der Ferne betrachten. Nun lohnt es sich, eine Pause einzulegen, den Wilhelm persönlich zu besuchen und einen grandiosen Weitblick zu erhaschen.

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Angelika Hornig

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