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Young Fathers: Cocoa Sugar
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Ihre Stücke begeistern, ihr Eintreten für die israelfeindliche und letztlich antisemitische Boykott-Kampagne BDS ist allerdings verstörend und zu bedauern.

Ist es HipHop, Experimental, Elektro, oder Pop? Schwer zu sagen, und dann noch die üppigen Gospelanteile! Doch das Trio Young Fathers aus Edinburgh setzt nicht auf eklektisches Kalkül, sondern arbeitet mit frei fließender Methode. Dabei ist die Trefferquote so hoch wie faszinierend. Die Texte der zwölf Tracks von Cocoa Sugar enthalten viele biblische und christliche Zitate, was manche auf die religiöse Fährte lockte und sie für überzeugte Christen halten ließ, zumal auch der Sound kirchliche Anklänge hat, nicht nur wegen der Arbeit mit Gospelchor.

Den Musikern ist das recht, solange sich die Leute auf die Musik einlassen. Sie mögen das Spiel mit Genres, sagt Alloysious „Ally“ Massaquoi. Außerdem entspreche das Call-and-Response-Prinzip einfach der menschlichen Natur. Oft klinge ein Chor auch besser als eine einzelne Stimme, alles wirke größer und epischer. „Und wenn wir diesen Quasi-Kirchenchor dann Dinge singen lassen, die nicht zu ihm passen, unterwandern wir Konventionen.“ Einen echten Frontman haben sie nicht. Ally, Kayus Bankole und Graham „G” Hastings texten und singen alle drei. Die Musik aus Beats, Samples und Sounds pumpt, treibt, ist paranoid düster, polyrhythmisch archaisierend, bezaubert mit schönen Melodien.

Talk, Rap und Gesang kommen hinzu, mal geschichtet, gegeneinander gesetzt oder pur. Fesselnd inszenieren sie so Monologe, Konfrontation und Behauptung – etwa die, dass jeder bloß seinem Ego folge, und dies in einer Gesellschaft, die an sinnlosem Konsum ersäuft. Dudelt dazu choralig eine Orgel, ist man schon erstaunt und lässt sich begierig darauf ein: Wow (everything is so amazing!) höhnt sardonisch, ist im Bloßstellen behaupteter Überlegenheit aber zugleich bewegend verletzlich. Ein Befreiungsschlag! Fee Fi gemahnt an beste Tricky-Zeiten. Das fiebernde Toy mit seiner Reggae-Intonation von Lover, Lover stößt ins Stimmenwirrwar des Alltags. Turn hingegen beharrt unwiderstehlich: „I’m not like you“. Der nur 100 Sekunden dauernde Techno-Furor von Wire samplet Stadiongesang wie seinerzeit Pink Floyd auf Meddle. Holy Ghost ist ruppiger Experimental-HipHop als irisierende Kippfigur: Zwischen prince-artigem Soulgesang und Rap-Battle-Geste wird der Heilige Geist so selbst zum Kombattanten. Und Picking You entlässt zum Schluss mit verwirrtem „You’ll never find your way to heaven, but you can follow me“. Orgel, Drums, Verzögern im Gesang – alles stimmt auf den Punkt. Cocoa Sugar ist ihr drittes Album und das bisher ausgewogenste der drei 30-Jährigen aus dem HipHop-Fach, dessen Grenzen sie gekonnt sprengen. Ihre Stücke begeistern, ihr Eintreten für die israelfeindliche und letztlich antisemitische Boykott-Kampagne BDS ist allerdings verstörend und zu bedauern, auch wenn sie sich explizit von Antisemitismus distanzieren. Aber so ist auch hier zwischen Werk und Autor zu trennen. Wer das nicht mag, lasse die Finger davon.

Udo Feist

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