Immer er selbst

Schriftsteller-Sensibilitäten
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Kein Comedian-Auftritt für eindeutiges Richtungs-Vernichtungs-Ablachen.

Bodo Kirchhoff liest Bodo Kirchhoff. Nämlich den Monolog eines Schriftstellers, der per E-Mail auf eine Einladung zu einer Kreuzfahrt in die Karibik antwortet. Er soll den künstlerischen Unterhalter geben. Allerdings nicht nur er. Das stößt ihm auf. Die Konkurrenz: unter seiner Würde. Ein Bauchredner, nun ja. Aber die Krimiautorin, die ihrem Serienkommissar seinen eigenen Nachnamen verpasst hat? Unmöglich. Fünftausend Passagiere werden auf dem Schiff sein. Alle werden sie Touristenunarten ausleben, da ist er sich sicher. Welchen Demütigungen wird er sich aussetzen!

Laut Vertrag hat er immer lieb und nett zu sein. Er, der gewohnt ist, das wirkliche Leben jenseits aller Idylle zu schildern. Also drastisch. Sein Markenzeichen: Auch und gerade wenn es um Sexuelles geht. – Seine Sensibilitäten und Befürchtungen richtet er an Frau Faber-Eschenbach. Sie hat die Einladung unterschrieben, sie ist – da ist er sich beim soundsovielten Whisky sicher – eine Lebensabschnitts-Traumfrau, er bittet sie also wortverführerisch um ihre Begleitung…

Handfeste Klischees, philiströse Sprache. Nimmt sich der Frankfurter Kirchhoff selbst auf die Schippe? Oder doch nur die Kreuzfahrtmania? Die in der Phantasie des Schriftstellers vorweggenommene Kreuzfahrt ist mit viel satirischem Kolorit geschildert. Dabei war vom Autor zu hören, er habe eine solche Einladung abgelehnt. Wie auch immer, den Hörerinnen und Hörern bleibt es gekonnt verwehrt, mir nichts, dir nichts Partei zu ergreifen.

Kein Comedian-Auftritt für eindeutiges Richtungs-Vernichtungs-Ablachen. Und daher bleibt es amüsant.

Helmut Kremers

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