E-Mails aus Russland

Punktum

Liebe Elena, 35, ich schreibe Ihnen, weil sie mir neulich so eine nette E-Mail in meinen Spam-Ordner geschickt haben: „Betreff: Ich kann nicht die Antwort abwarten.“ Das war doch mal eine Abwechslung, zwischen all den Job-Angeboten („4.000 Euro nebenbei verdienen“), Pillenwerbungen („super Preis“) und Liebesglücksversprechen in gebrochenem Deutsch („23 Millionen Manner Viagra gewahlt“).

Wobei ja auch sie mit sympathischem Akzent über die Liebe schreiben: „Ich habe Informationen uber(!) Sie von Eheagentur. Wie viele Menschen heute mochte ich versuchen, die Liebe finden online.“ Liebe Elena, um es gleich zu sagen, ich bin in festen Händen und glücklich damit, insofern sollten Sie nochmal mit Ihrer Eheagentur sprechen und mich aus der Kartei streichen lassen. Immerhin machen Sie mir ein nettes Kompliment: „Sie wissen, ich denke, Sie sind interessanter Mann“. Vielen Dank. Aber mit dem folgenden Satz habe ich meine Schwierigkeiten. Was bitte schön bedeutet „Naturlich wei?.ich nicht, die Sie noch nicht, aber ich schatze“? Hmmm - ich schatze, ich wei?. auch nicht…

Und dann habe ich noch ein Problem: „Ok Ich habe meine selfie, mogen Sie mir?“. Kann ich leider nichts zu sagen, denn ich traue mich nicht, Ihr Foto im Anhang Ihrer Mail zu öffnen. Sie wissen vielleicht, dass wir in Deutschland gerade etwas skeptisch sind, wenn es um E-Mails aus Russland geht. Neulich konnte mal ein großer Teil meiner Mitbürgerinnen und Mitbürger nicht mehr telefonieren oder fernsehen, weil irgendeiner ihrer Landsleute einen bösen Virus in Umlauf bringen wollte. Und wer weiß, ob ich nicht die Bundestagswahlen in diesem Jahr irgendwie fälsche, wenn ich Ihr Foto ansehe? Angeblich soll ja Ihr Präsident auch über das Internet dafür gesorgt haben, dass die USA demnächst von Herrn Trump regiert wird.

Ich weiß, sie haben mit all dem wahrscheinlich nichts zu tun, sie suchen ja nur „Mann, die bereit sind, das Leben mit mir zu teilen.“ Ebenso wie Ihre Landsmännin Oksana, 35: „Sorry fur meine Direktheit, aber ich will sofort dir sagen, dass ich einen Mann treffen will die ernsten Beziehungen.“ Auch Olga, 32, „mochte den Mann, der alter ist als ich“. Sie wird übrigens „sehr schastleva sein“ wenn ich ihr antworte und geizt ebenfalls nicht mit Komplimenten „Ich denke, Sie sind sehr gut! Und ich mochte, dass Sie sich naher kennenlernen.“<

Letzteres tue ich gern und freue mich auf all das, was da nach fast fünf Jahrzehnten noch zum Vorschein kommt. Aber: Liebe Elena, liebe Oksana, liebe Olga - ich mochte ehrlich sein mit diese - es habe keine Zweck mit beide. Ob Euch das „schastleva“ macht, weiß ich nicht. Ich weiß ja noch nicht mal, was das bedeuten soll. Aber ich wünsche Euch ein schönes Jahr 2017, endlich Glück in der Liebe…und ein Update Eures Übersetzungsprogramms.

Stephan Kosch

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