Allemal eine Wucht

The Coal Porters: No. 6
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Warum die Coal Porters ihr neues Werk nach acht Platten und zwei EPs "No. 6" nennen, mag man rätseln. Eine Wucht ist es allemal!

Bluegrass ist die Rave-Variante von Countrymusik: Man kann nicht genug davon bekommen. Das liegt am Sound und dem Schwung dieser Mischung aus Hillybilly, Fiddlesongs, Swing- und Blues- elementen, Country, Folkballade und dem Gospel verwandten Harmoniegesang. Markant ist die Instrumentierung mit Banjo, Geige, Mandoline, Gitarre und Kontrabass. Die chop chords von Gitarre und Mandoline im Off- oder Upbeat übernehmen die Rolle des Schlagzeugs – ein Rhythmuskraftwerk eigener Bauart. Namensgeber sind die blaugrünen Rispengras-Halme in Kentucky, wo Bluegrass ursprünglich herstammt. The Coal Porters sind in London zu Hause, aber doch die heißeste Adresse im Genre. Verstörend ist nur, dass sie seit 1989 Alben machen (ihr Debut war Rebels Without Applause), aber hier erst jetzt den verdienten Kotau bekommen! Sie nennen ihre Musik Alternative Bluegrass. Er hat fröhliche Offenheit zu Americana und Gram Parsons-seligem Countryrock und glänzt immer wieder mit starken Coverversionen von Pop- und Punksongs. Unser Herz gewannen sie 2012 mit Bowies (RIP) tränensattem Heroes auf Find The One.

Warum ihr neues Werk nach acht Platten und zwei EPs No. 6 betitelt ist, mag man rätseln, eine Wucht ist es allemal – und schickt einen gleich mit dem Opener in den Relistening-Modus: „The Day The Last Ramone Died“, ihre Hommage an die vier jüdischen Gabba Gabba Hey-CBGB’s-Punks aus New York lässt einen im Auto zu prallem Ramones-Sound greifen, während auf dem Heim-Player ellenlang No. 6 läuft, im Wechsel mit altem Vinyl von The Long Ryders, der Paisley Underground-Band aus L. A., deren Mitbegründer Sid Griffin war und da auch The Coal Porters gründete, bei denen er singt und Mandoline spielt. Er zog nach London und ist dort mit dem schottischen Komiker Neil Robert Herd (Gitarre) seither Kern der Band. Paul Fitzgerald (Banjo), Andrew Stafford (Bass) und die klassische Geigerin Kerenza Peacock machen das Line-Up komplett (sie spielte auch bereits für Adele und Paul Weller). Dobro, Autoharp und Trompete (vom Kubaner Eikel Venegas auf „The Blind Bartender“) kommen mitunter dazu. Produziert hat die zehn Tracks Studiolegende John Wood, der einst Fairport Convention und „Pink Moon“ von Nick Drake (RIP) in die Rillen brachte.

No. 6 beliefert das zuckende Tanzbein, hat rockenden Wumms („Shelter From The Strom“), schwelgende Melancholie („Unhappy Anywhere“; „Train No. 10-O-5“) und tiefen Ernst („Play A Tune“, von Peacock geschrieben, ist berührend verletzlich gesungen und ihrer im vorigen Jahr gestorbenen Mutter gewidmet). Herausragende Musiker, pralle Spielfreude, starkes Songwriting (zumeist Griffin und Herd) mit Storys, denen zuzuhören Spaß macht. Am Ende steht eine ihrer geschätzten Coverversionen: „Another Girl – Another Planet“ von Peter Perrett, dem von seinem Lebenswandel gebeutelten Kopf der Punklegende The Only Ones. Wir haben zu No. 6 gesungen, getanzt, gelacht, geweint – Musik, wie wir sie uns wünschen.

Udo Feist

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