Kooperationen

Kirche und Diakonie im Norden
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Wer sich diesen Sammelband zu Gemüte führt, erfährt Neues über die kirchliche Arbeit in der multireligiösen Stadt ebenso wie über die Modelle aus Mecklenburg und Vorpommern, wo der Rückgang der Gemeindeglieder noch spürbarer ist.

Deutschland verliert immer mehr Einwohner. Jahr für Jahr, und zwar vor allem auf dem Land. Das betrifft die Kommunen ebenso wie die Kirchengemeinden. Traditionsabbrüche sind hier wie dort spürbar. Doch das Schrumpfen muss nicht automatisch eine Katstrophenstimmung heraufbeschwören, es bietet auch die Chance für einen Aufbruch. Allerdings muss diese wahrgenommen und gestaltet werden. Viele Kirchengemeinden und Kommunen haben das erkannt und steuern in Stadt und Land mit Konzepten und Projekten dagegen.

Das große Verdienst der Herausgeberinnen und Herausgeber dieses umfangreichen Bandes ist das Sammeln, Bündeln und Zusammenfassen von zahlreichen Beiträgen, die sich eben diesem Thema widmen und in den vergangenen drei Jahren entstanden sind. Den Fokus haben sie dabei auf Norddeutschland gerichtet und wissenschaftliche Abhandlungen, Vorträge, Interviews und praktische Beispiele zusammengestellt. Neu ist: Kirche und Diakonie gehen in diesem Prozess gemeinsam aufeinander zu. Oder wie es Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland, in seinem Geleitwort formuliert: „Kirchengemeinden und diakonische Einrichtungen verstehen sich – so das Kernanliegen – zukünftig gemeinsam in neuer Weise als aufeinander bezogene Akteure, als Geschwister vor Ort, im Sozialraum.“ Denn – und das durchzieht alle Beiträge: Die Orientierung auf das Gemeinwesen bietet die Chance, dass die unterschiedlichen „Systeme“ von Kirche und Diakonie ihren gemeinsamen Auftrag wahrnehmen. Gefragt sind also neue Kooperationen im Dorf, der Kleinstadt und im Quartier der Großstadt. So können bürgerschaftliche, kirchliche und diakonische Fragen fortan gemeinsam diskutiert werden.

Die Autorinnen und Autoren, allesamt Experten, beschäftigen sich mit dem Thema in allen seinen Facetten: von den theologischen Ansätzen zur Gemeinwesenarbeit und Gemeinwesendiakonie über das Nachdenken zur Zukunft der Ortsgemeinde, von Diskursen der kirchlichen Arbeit im städtischen und ländlichen Raum bis zum Gemeinwesen in sozialpolitischer Sicht. Dabei wird auch der Inklusion Tribut gezollt. Wer sich diesen Sammelband zu Gemüte führt, erfährt Neues über die kirchliche Arbeit in der multireligiösen Stadt ebenso wie über die Modelle aus Mecklenburg und Vorpommern, wo der Rückgang der Gemeindeglieder noch spürbarer ist. Perspektiven im Ehrenamt werden ebenso behandelt wie kirchliche Berufe in der Gemeinwesendiakonie. Alle Beiträge eint: Sie bieten hinreichend theoretische und praktische Konzepte zur Weiterarbeit an einem gelingenden Gemeinwesen. Die einzelnen Beiträge des Bandes selbst sind von unterschiedlicher sprachlicher Qualität, manche etwas sperrig, andere wieder äußerst verständlich formuliert. Am Ende jedes Beitrags ermöglichen Hinweise auf weiterführende Literatur und Internetquellen anknüpfende Lektüre. Mit diesem Buch können die Kirchen in Norddeutschland das Projekt von Kirche und Diakonie im Gemeinwesen vorantreiben, genug vielversprechende Handlungskonzepte, Erkentnisse und theologische Grundierungen liegen vor. Und allen anderen bietet dieser Sammelband Einstiegsmaterial in die Thematik, in den kirchlich-diakonischen Verständigungsprozess. Dass dieses dringend Not tut, bemerkt die Theologin Cornelia Coenen-Marx : „Es ist noch schmerzlich spürbar, dass die Fachleute und Generalisten in Kirche und Diakonie verschiedene Sprachen sprechen.“ Sie resümiert: „Erst in der Kooperation von Kirche und Diakonie entsteht das Neue.“ Vielleicht werden dann auch die ländlichen Räume im Ringen um neue Lösungen nicht mehr die typischen Nachzügler sein, sondern Vorbilder künftiger Gesellschaften.

Kathrin Jütte

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Kathrin Jütte

Kathrin Jütte ist Redakteurin der "zeitzeichen". Ihr besonderes Augenmerk gilt den sozial-diakonischen Themen und der Literatur.


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