Ganz nah dran

Beglückende Bach-Auswahl
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Die fünf Musikerinnen und Musiker haben sich bei „Bach privat“ von der charmanten Vorstellung leiten lassen, eine Hausmusik bei Bach zu rekonstruieren. Warum auch nicht?

Gibt es nicht in Sachen Bach schon alles? Möglicherweise. Mit Gesamtaufnahmen ist heute jedenfalls kein Originalitätspreis mehr zu gewinnen. Selbst auf dem Gebiet der modernen Bachinterpretation – formaly known as „Originalklangbewegung“– ist eigentlich alles schon mehrfach und in großer künstlerischer Qualität und gleichsam digitalst eingespielt. Punkten kann man heute nur noch mit Zusammenstellung und Arrangement. Ist dies überzeugend, dann kann es auch eine kundige Fangemeinde erfreuen.

Die insgesamt fünf Musikerinnen und Musiker, allesamt international renommierte Vertreter ihrer Zunft, haben sich bei „Bach privat“ von der charmanten Vorstellung leiten lassen, eine Hausmusik bei Bach zu rekonstruieren. Warum auch nicht? Unter den leider nur spärlich vorhandenen zeitgenössischen Quellen zum Leben des großen Thomaskantors gibt es zumindest zwei, die eine solche Hausmusikpraxis nahelegen. Zum einen schreibt Bach im dem einzigen von ihm erhaltenen privaten Brief im Jahre 1730 an Georg Erdmann, seinen alten Jugendgefährten aus gemeinsamen Lüneburger Tagen, neben allerlei Klagen von seiner Familie folgendes: "Insgesamt (sind) sie gebohrne Musici u. kann versichern, daß schon ein Concert Vocaliter u. Instrumentaliter mit meiner Familie formiren kann, zumahln da meine itzige Frau gar einen sauberen Soprano singet, auch meine älteste Tochter nicht schlimm ausschläget."Trotz der – sagen wir mal – uncharmanten Diktion schimmert da durchaus familiärer Stolz durch. Zum anderen bezeugt das Vorhandensein Bach’scher Hausmusiken der überlieferte Bericht eines damaligen Thomaners namens Sonnenkalb, der sich später erinnerte, er habe im Hause Bach zu Leipzig den Herrn Bach in Berlin (Carl Philipp Emanuel) und den andern Herrn Bruder in Halle (Wilhelm Friedemann Bach), welche in Leipzig zu Besuch waren, wie auch dessen Schwager, den Hrn. Altnickel (Johann Christoph Altnickol), (…), mehr als einmal spielen hören.

Mit der Sopranistin Anna Lucia Richter und dem Bassisten Georg Nigl gibt es auf dieser Aufnahme zwei prachtvolle, nuancenreiche Sangespersönlichkeiten zu bewundern. Meisterhaft in Klanggebung und Sprache überzeugen beide allein wie im Zusammenklang: Richter mit kräftiger, jugendlicher Klarheit und Nigl mit Kern und jenem leichten Edelhauch, der ihn reizvoll von anderen abhebt. Die moderne Technik ermöglicht es sogar, dass die beiden beim einzigen vierstimmigen Choral in Mehrspuraufnahme doppelt agieren. Ansonsten aber wurde keinesfalls gespart bei dieser uneingeschränkt empfehlenswerten Aufnahme: weder beim schön ausgestatten Booklet, noch beim Silberglanz des von Großmeister Andreas Staier betörend gespielten Cembalo, der dieses stimmige Programm aus Arien und Instrumenalwerken zusammengestellt hat. Danke!

Reinhard Mawick

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