Zielkonflikt

Luzide, aber schwierig
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Dehn erinnert daran, dass sich theologische Vielfalt bereits in der Bibel findet.

Ulrich Dehn, der an der Universität Hamburg Missions-, Ökumene- und Religionswissenschaft lehrt, will mit diesem Buch Leute ansprechen, "die an den traditionellen Kernthemen der ökumenischen Bewegung interessiert sind". Und dies löst er ein. Aber er gerät dabei in einen Zielkonflikt, weil dieses Buch "darüber hinaus" als "Studienbuch zu Themen aus der Ökumenewissenschaft dienen" soll, also für Studenten, bei denen ein Vorwissen vorausgesetzt werden kann.

Motto der Ökumene ist die Bitte Jesu, dass die Seinen "eins" seien. Aber wie dem entsprochen werden kann, ist bis heute umstritten. Ökumenisch engagierte Christen empfinden die Vielzahl von Kirchen, wie sie sich vor allem nach der Reformation entwickelt hat, als "Spaltung". Mit dem Hinweis darauf lehnen es römisch-katholische Bischöfe ab, 2017 das Reformationsjubiläum zu "feiern".

Dehn erinnert daran, dass sich "theologische Vielfalt bereits in der Bibel findet". Er schildert, wie sich in der Geschichte der ökumenischen Bewegung verschiedene Einheitsmodelle entwickelt und abgelöst haben. Den ökumenischen Pionieren habe eine "kirchliche Wiedervereinigung" vorgeschwebt. Dehn erwähnt als Beispiel die Church of South India. Lesern, die ökumenisch interessiert sind, aber keine Vorkenntnisse haben, hätte der Hinweis gut getan, dass diese Kirche aus dem Zusammenschluss von Anglikanern, Kongregationalisten, Methodisten und Presbyterianern entstanden ist.

Mit ihm wurde die Idee der "organischen Union" von Kirchen verwirklicht, die die ökumenische Bewegung bis in die Sechzigerjahre "favorisiert" habe, wie Dehn schreibt. Dieses Einheitsmodell sei im "amerikanischen Episkopalismus" entstanden. Mit diesem Begriff dürften viele Leser nichts anfangen können. Auch hier hätte es dem besseren Verständnis gedient, hätte Dehn einfach von der anglikanischen Episkopalkirche oder der anglikanischen "Bischöflichen Kirche" der USA geschrieben. Die Einheitsmodelle, die der Weltkirchenrat seither entwickelt hat, favorisieren, wie Dehn zeigt, nicht mehr die Fusion, sondern die Kooperation von Kirchen.

Deutlich wird auch, dass Sozialethik und Politik in der ökumenischen Bewegung eine zentrale Rolle gespielt haben. Aber das führte häufig zu Konflikten. So stieß der Weltkirchenrat mit dem Sonderfonds seines Antirassismusprogramms gerade in der EKD auf heftigen Widerstand, wie sich ältere Leser erinnern dürften. Dehn erwähnt einen "scharf kritisierenden Brief des damaligen Ratsvorsitzenden der EKD, des württembergischen Bischofs Hermann Dietzfelbinger vom 15. 9. 1970". Hier verwechselt er den bayerischen Landesbischof Hermann Dietzfelbinger wohl mit dessen württembergischen Kollegen Helmut Claß, der ihm 1973 als EKD-Ratsvorsitzender nachfolgte.

Zwischen den Kirchen des Westens und des Ostens und des Nordens und des Südens kommt es oft zu Missverständnissen. Dehn beschreibt, wie dies eine "Hermeneutik der Lebenswelten des weltweiten Christentums" reduzieren kann. Dieser Abschnitt ist wie der über "Kulturtheorie und die Wahrnehmung weltweiten Christentums" luzide, aber schwere Kost.

Als Studienbuch kann dies Buch empfohlen werden, als eines für diejenigen, die nur an den Kernthemen der Ökumene interessiert sind, bedingt. Einzelne Kapitel können anregen, sich mit bestimmten Themen und Personen näher zu befassen. So skizziert Dehn den großen Ökumeniker Nathan Söderblom (1866-1931). Wer mehr erfahren möchte, sei auf Dietz Langes Buch "Nathan Söderblom und seine Zeit" verwiesen, das in zz 10/2011 besprochen wurde.

Ulrich Dehn: Weltweites Christentum und ökumenische Bewegung. EV-Verlag, Berlin 2013, 221 Seiten, Euro 19,80.

Jürgen Wandel

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