Offenheit

Glauben als Mann
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"Männlich glauben heißt: etwas tun und dann vielleicht auch darüber reden."

Dass "Männer sich mit ihrem Lebensgefühl ... immer weniger in ihrer Kirche wiederfinden", wird in den vergangenen Jahren verstärkt wahrgenommen: Die Arbeit mit Männern und für Männer erlebt in den Landeskirchen eine unerwartete Renaissance. Manfred Gerland, Pfarrer für Meditation und geistliches Leben der Evangelischen Bildungsstätte Kloster Germerode in Hessen, nähert sich dem Thema "Männlich glauben" aus unterschiedlichen Richtungen an: Da ist die Erfahrung, sich beim Workshop zum "Sakralen Tanz" und der beginnenden Suche nach einem eigenen körperlichen Ausdruck mit drei Geschlechtsgenossen unter 40 Frauen wiederzufinden; da sind die Beschreibungen gesellschaftlicher Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte und eines Wandels des männlichen Rollenverständnisses, die mit Zahlen unterfüttert werden. Manfred Gerland geht differenziert auf die Unterschiede zwischen Frauen und Männern ein, die sich im Verhältnis zum eigenen Körper, vor allem in den Bereichen Krankheit, auch in der Angst vor Erkrankungen bis hin zu der unterschiedlichen Lebenserwartung der Geschlechter zeigen. Dabei blickt er nicht zuletzt über den Tellerrand der eigenen Religion hinaus - Stichwort: "Männer im Islam".

Natürlich muss er bei seiner spirituellen Suchbewegung auch auf einen Mentalitätswandel in Theologie und Verkündigung - wie ihn der Theologieprofessor Friedrich Wilhelm Graf pointiert festgestellt hat - stoßen: die Feminisierung im kirchlichen Raum und die Rückzugsbewegung von Männern. Dazu kämen theologische Entwürfe wie die von Klaus-Peter Jörns formulierte universale Liebesreligion, die verharmlosend sei, weil sie kaum noch etwas mit den Realitäten des Lebens zu tun habe. Und in der Tat werden Männer und auch Frauen mit den Härten und Abgründen des Lebens konfrontiert, stehen sie manchmal vor der Herausforderung, Aggressivität und Lust zu gestalten und Macht- wie Ohnmachtserfahrungen zu verarbeiten. Was bietet Gerland dafür an? Was sind seine spirituellen Impulse für Männer zwischen "Macho"- und "Softie"- Dasein?

Zum einen geht er auf männliche Erfahrungswelten ein: Oft spielten für Männer in ihrem Lebensgefühl Kraft und Vitalität eine wichtige Rolle. Im Drang, handeln zu können, im Tun konkretisiere sich ihr Gestaltungswille. Gerland schildert, wie eine Männergruppe den Vorschlag umsetzt, auf der höchsten Erhebung der Umgebung ein Gipfelkreuz aufzustellen. Als es einige Zeit später darum geht, sich über das Erlebte auszutauschen, sind die Äußerungen zurückhaltend und haben weniger mit dem Glauben und dem Erlebten zu tun als mit dem Ort selbst. Gerlands Fazit: "Männlich glauben heißt: etwas tun und dann vielleicht auch darüber reden."

Zum anderen eröffnet Gerland anhand der Reprobus-/Christophorus-Legende Zugänge zur eigenen Körperlichkeit, zur eigenen Verantwortlichkeit und zur Neuorientierung während der Übergangsphasen auf dem Lebenslauf. Er beschreibt, wie Väter ihre Söhne auf dem Weg ins Erwachsenwerden unterstützen können; Auch die krisenhafte Lebensmitte wie das Altern kommen zur Sprache. Übungen zur Körperwahrnehmung und zur Imagination vertiefen das jeweils Angesprochene.

Ein Abschnitt über Männer, ihre finanzielle Potenz und wie sie für Arme fruchtbar gemacht werden kann, hätte dazu gehören können. Aber auch so hat Manfred Gerland einen überzeugenden Beitrag zur männlichen Selbstbesinnung auf dem Weg zu einer eigenen Glaubenspraxis vorgelegt, der nicht zuletzt durch seinen feinsinnigen Humor und seine persönliche Offenheit berührt. Auch Leserinnen werden davon profitieren.

Manfred Gerland: Männlich glauben. Kreuz Verlag, Freiburg 2014, 176 Seiten, Euro 16,99.

Burkhard Pechmann

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