Zeitgemäß

Biografie über Jesus
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Alois Prinz' Stärke ist es, Wesentliches auf einfache und klare Weise darzustellen, ohne dabei banal zu werden. Dieser Stil prägt auch sein Jesus-Buch.

Eine Biografie über Jesus von Nazareth zu schreiben, ist im Grunde ein Ding der Unmöglichkeit. Der historische Kern des Zeugnisses vom Leben Jesu lässt sich unter den vielen Schichten der biblischen Glaubensdeutung kaum freilegen, auch die zeitgenössische Geschichtsschreibung bietet nur wenige hilfreiche Querverweise. Alois Prinz hat es dennoch versucht, dabei entstanden ist ein kluges Buch. Prinz hat sich mit gut erzählten Biografien komplexer Lebenswege, wie dem von Hannah Arendt oder Ulrike Meinhof, einen Namen gemacht. Seine Stärke ist es, Wesentliches auf einfache und klare Weise darzustellen, ohne dabei banal zu werden. Dieser Stil prägt auch sein Jesus-Buch, es ist klar in der Sprache, allgemeinverständlich und gut zu lesen. Dabei bewegt sich der Autor auf mehreren Deutungsebenen, die er meisterlich ineinander verwebt. Er entfaltet anschaulich und detailreich den historischen Kontext, erzählt in diesen hinein die Stationen des Lebens Jesu, fügt zu wichtigen Fragen Deutungen aus der Theologiegeschichte an und kommt an einigen Stellen selbst zu persönlichen Überlegungen für die heutige Zeit. In all der Vielschichtigkeit behält der Autor aber stets seine Linie im Blick.

Ein Beispiel: Die Kindheit Jesu führt Prinz ein mit einer Beschreibung der politischen Großwetterlage und den Folgen für eine Familie, die sich aus Galiläa zum Passahfest nach Jerusalem aufmachte. Er schildert den beschwerlichen Weg, den Maria, Josef und ihr zwölfjähriger Sohn in etwa gehen mussten, und nimmt den Leser mit in das damalige Jerusalem zur Zeit des Passah. In dieser Szenerie erlebt der Leser, wie der junge Jesus seinen Eltern verloren geht, sie ihn verängstigt suchen, dann finden und schließlich von ihm, dem Verloren geglaubten, hören, ob sie nicht wüssten, dass er in dem sein müsse, was seines Vaters sei. Damit öffnet Prinz die Erzählung für ein existenzielles Thema, das er - in Aufgriff von Nietzsche - die "große Loslösung" nennt. Er spielt diese Situation in vielen Facetten durch: Wie der Wille zur Freiheit sich gegen schlechtes Gewissen durchsetzen müsse, was Nietzsche mit dem "Hass auf die Liebe" meinte, die nicht loslassen könne. Der Autor erinnert an Kafka, den "ewigen Sohn", und an Franziskus von Assisi, der die andere Freiheit beim Vater im Himmel suchte.

Gelegentlich sind es fast zu viele Ideen und Querverweise, die Prinz zur Auslegung biblischer Texte anführt. Zum Thema "Heilungen" etwa zitiert er auf einer einzigen Seite den Theologen Paul Tillich, die Schriftsteller Botho Strauß und Ingeborg Bachmann und den Soziologen Peter L. Berger. Aber all diese Spuren sind andererseits reizvolle Impulse für die eigene weitere Beschäftigung, für die Predigt und einfach auch als assoziativ-kreative Aneignung der Texte. Auch schwierige theologische Themen nimmt Prinz auf: Er kommt wie beiläufig auf die Themen "Wunder", "Jungfrauengeburt" oder die Spannung von historischer Tatsache und geistlicher Deutung zu sprechen. Und er stellt sich schließlich auch der Frage nach Tod und Auferstehung.

Dieses Jesus-Buch überzeugt nicht in erster Linie durch neue Fakten, es bietet aber durch die gute Erzähllinie und die kluge Verknüpfung von historischen Details, biblischen Geschichten und Reflexionen viele neue Zugänge zu Leben und Botschaft des Mannes aus Nazareth. Der Autor nimmt einen förmlich mit hinein in die eigene Suche nach einem Verständnis des Jesus Christus. Dass seine Sprache dabei so klar und unprätentiös bleibt, macht das Buch auch für Kirchenferne lesenswert und interessant.

Eine Besonderheit des Buches: Mit dem Erwerb der Print-Version erhält der Leser auch einen Code zum Download der E-Buch-Ausgabe für Tablets und Reader. Dieses rundum moderne Buch erhält so auch durch seinen Vertrieb eine zeitgemäße Note.

Alois Prinz: Jesus von Nazaret. Gabriel Verlag, Stuttgart 2013, 240 Seiten, Euro 16,95.

Thomas Prieto Peral

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Thomas Prieto Peral

Thomas Prieto Peral ist Kirchenrat und Referent für theologische Planungsfragen im Bischofsbüro der Evang.-Luth. Kirche in Bayern.


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