Feinsinnig

Gedanken zur Friedensethik
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Wenn es Krieg gibt, heißt es, stirbt die Wahrheit zuerst. Für Ulrich Finckh, der 32 Jahre die Zentralstelle für Kriegsdienstverweigerer leitete, beginnt der Verlust der Wahrheit bereits bei der Einführung von Militär in eine zivile Gesellschaft.

Die Feindesliebe Jesu, ja selbst seine praktizierte Gewaltlosigkeit, steht nicht hoch im Kurs der Öffentlichkeit. Auch die großen Kirchen folgen weitgehend dem politischen Mainstream. Wer sich für eine pazifistische christliche Haltung stark macht, muss gegen ein Kartell argumentieren, das Militär, Wehrpflicht, Bewaffnung für unaufgebbar hält. Da werden immer neue und bedrohlichere Konfliktkonstellationen vorgeschoben, falsche Zahlen und manipulierte Statistiken angeführt, Gesetze verdreht und verbogen, um all das zu rechtfertigen. Getreu dem Jesuswort: Die Wahrheit wird euch frei machen (Johannes 8,32), hat Pastor Ulrich Finckh, der 32 Jahre die Zentralstelle für Kriegsdienstverweigerer leitete, dagegen unermüdlich, doch immer konziliant, falsche Argumente für Waffen und Wehrpflicht aufgedeckt. Stattdessen hat er solche in die Diskussion eingeführt, die eine zivile Gesellschaft begründen und im Sinne Jesu strikte Gewaltlosigkeit einfordern. Wenn es Krieg gibt, heißt es, stirbt die Wahrheit zuerst. Für Finckh beginnt der Verlust der Wahrheit bereits bei der Einführung von Militär in eine zivile Gesellschaft. Auch die Begründung der Wehrpflicht mit all ihren Nebenwirkungen kommt nach seinem Urteil ohne Lug und Trug nicht aus. Auf der Klaviatur der argumentativen Verbiegungen und Verfälschungen spielen so viele mit, dass sich ein Pastor mit dem Anprangern solcher Machenschaften auch in einer demokratischen Gesellschaft nicht gerade beliebt macht. Sogar gegenüber den Spitzen der Evangelischen Kirche in Deutschland hat Finckh sich dafür verteidigen müssen. Trotzdem hat er mit seinen Texten und Reden, von denen hier die aus der zurückliegenden Dekade zusammengestellt sind, Einiges erreicht. Als das Buch veröffentlicht wurde, wusste noch niemand, dass ein kurzzeitig amtierender Verteidigungsminister die Wehrpflicht ruckzuck aussetzen würde. Das wird allerdings zur Folge haben, dass die Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer wie die Evangelische Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung der Kriegsdienstverweigerer überflüssig werden. Beide Organisationen hat Finckh über Jahrzehnte in herausgehobenen Funktionen neben- und ehrenamtlich geprägt. Deren Auslaufen wird der 85-Jährige Finckh nicht bedauern, weil damit ein von ihm von Anfang an erstrebtes Ziel noch zu seinen Lebzeiten erreicht ist. Nun argumentiert er ebenso entschieden gegen die verschiedenen Formen der verschleierten Kriegsbeteiligung seitens der Berliner Regierung. Dabei erweist der Theologe sich als feinsinniger Verteidiger des Grundgesetzes, dessen Wortlaut er sogar gegenüber dem Bundesverfassungsgericht einklagt und dessen Intention er vor undemokratischen Manipulationen bewahren will. Diese rechtspolitische Argumentation wendet Finckh auch gegen die Parteienlastigkeit des Bundestages oder die aktuelle Wirtschaftspolitik. Dass es für ihn dabei auch immer um die Botschaft des Evangeliums geht, beweisen die letzten Beiträge des vorliegenden Bandes. Die Verankerung im christlichen Glauben, der weniger die Argumente liefert, als die Motivation dafür stärkt, ist für den Pastor selbstverständlich. Allerdings zeugen seine Ausführungen beispielsweise zum Credo oder zum Weihnachtsfest auch von einer kritischen Haltung gegenüber der christlichen Überlieferung und der kirchlichen Tradition. Des ungeachtet schließt der Band mit einem frommen und auf Ulrich Finckh völlig zutreffenden Zitat aus Psalm 119: Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Ulrich Finckh: Vom heiligen Krieg zur Feindesliebe Jesu. Radius-Verlag Stuttgart 2011, 197 Seiten, Euro 16, -.

Götz Planer-Friedrich

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