Schweinemörder

Unsere Welt ist düster
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Bei Boyle mündet keine Geschichte in einer American-Hero-Story, auch diese nicht. Er ergreift nicht Partei. Seine menschliche Komödie spielt auf einem Narrenschiff namens Erde.

Er sei einmal drogensüchtig gewesen, heißt es von T. C. Boyle, seine Frau, mit der er seit 37 Jahren verheiratet ist, habe ihn davon abgebracht, nun sei er schreibsüchtig - und macht seit Jahren viele seiner Leser süchtig nach seinen Büchern: nach diesen exemplarischen amerikanischen Schicksalen, in denen Alltagsleben, mit akribischem Sadismus geschildert, unversehens in Albträume umschlagen.

In Wenn das Schlachten vorbei ist geht es um eine Fehde zwischen Naturschützern: Die einen, die zwei Inseln vor der Küste Kaliforniens von Ratten und Schweinen befreien wollen, um die ursprüngliche Fauna zu schützen, sind für die anderen nur Tierquäler und -mörder. Und alle Beteiligten reagieren so unberechenbar und irrational, wie wir es aus amerikanischen Filmen oder gar aus dem wirklichen Leben kennen.

Bei Boyle mündet keine Geschichte in einer American-Hero-Story, auch diese nicht. Er ergreift nicht Partei. Seine menschliche Komödie spielt auf einem Narrenschiff namens Erde, dessen Besatzung leidenschaftlich, aber vollständig sinnlos ihr Unwesen treibt. Merkwürdigerweise scheint dieses Zurücksetzen der Großen Sinnmaschine, die im menschlichen Hirn immer mitläuft, kathartisch zu wirken, vielleicht weil (oder obwohl?) die Anlässe, mitzufühlen und mitzuleiden, vergessen lassen, dass sie in den Kulissen menschlicher Sinn-Illusionen inszeniert werden.

Gelesen wird der gerade erst im Druck erschienene Roman von dem Schauspieler Jan Josef Liefers; man hört ihm gern zu. Manchmal klingt es bei ihm, als trüge er Die Schatzinsel vor, aber das schadet ja nicht, das passt geradezu.

T. Coraghessan Boyle: Wenn das Schlachten vorbei ist. Der Hörverlag, Hamburg 2012, Euro 24,99.

Helmut Kremers

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