Der Weg nach Innen

Hilfe bei der spirituellen Suche
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Brian Draper, Dozent am London Institute for Contemporary Christianity, hat mit seinem Buch seine Ansichten in der Lebenshilfe dargelegt: Sie sind nicht nur gut recherchiert, sondern auch prak­tisch fundiert.

Bücher über neue Wege gibt es wie Sand am Meer. Vor allem aus Amerika erreicht den deutschen Markt immer wieder eine Fülle an Weisheiten, die gerade hier besonders gut umsetzbar sein sollen. Nur selten halten diese Bücher einer näheren Begutachtung stand. Sie sind Belehrungsliteratur, die selten weiterhilft.

Brian Draper, Dozent am London Institute for Contemporary Christianity, hat mit seinem Buch seine Ansichten in der Lebenshilfe dargelegt: Sie sind nicht nur gut recherchiert, sondern auch prak­tisch fundiert. Er geht von der Überzeugung aus: "Wir alle verfügen über spirituelle Intelligenz, weil sie einen Teil unserer Gesamtintelligenz bildet. Doch wir nutzen dieses Potenzial nur selten." In vier Kapiteln, denen jeweils vier dem gleichen Schema folgende Unterkapitel zugeordnet sind, entwickelt er einen Weg, wie man den Reichtum, der in jedem Menschen schlummert, heben kann, und zu einem sinnerfüllten und zufriedenen Leben findet.

Weg des "Erwachens"

Es geht um "Erwachen", "Mit anderen Augen sehen", "Den Wandel leben" und "Das Gute weiterentwickeln". Die Unterkapitel werden durch literarische Texte ergänzt. Regelmäßig erhält der Leser Aufgaben - "Innehalten, um nachzudenken", die ihn dazu anregen, das Gelesene nicht nur zu konsumieren, sondern auch zu verinnerlichen. Draper entwickelt seine Ansichten aus dem Blickwinkel abendländischer Spiritualität, ohne sie zum alleingültigen Maßstab zu erheben. Das kann gerade Lesern, die mit den traditionellen Kirchen Probleme haben, den Reichtum der eigenen Kultur neu erschließen helfen.

Der von ihm vorgeschlagene Weg des "Erwachens" ist durchaus zeitaufwändig und anstrengend. Das Innehalten erfordert Ruhe und Gelassenheit. Man sollte für die Lektüre des Buches viel Zeit einplanen, die Abschnitte allmählich durchgehen und auf sich wirken lassen. Manches sollte man vielleicht auch mehrfach lesen, wenn man den Weg wirklich beschreiten will. Einfach ist spirituelle Intelligenz auch im 21. Jahrhundert nicht aufzufinden, einfach war der Weg zum eigenen Selbst nie. Aber er ist möglich. Das ist die gute Nachricht seines Buches.

Das gut lesbarer Buch hat allerdings einen Nachteil für alle, die nicht nur auf der Suche, sondern in ihrer Suche innerlich auch verunsichert sind: Es empfiehlt eine Selbsttherapie, die nur seelisch gesunden Menschen zuträglich ist. Und auch für seelisch gesunde Menschen gilt: Der Weg nach innen, in die Meditation und zum eigenen Selbst sollte nie ohne Begleitung beschritten werden. Schnell genug stößt man auf Seiten in sich und im eigenen Leben, die ohne Gespräch nicht bearbeitet werden können. Die Erkenntnisse darüber, wie man leider auch ist, können psychische Probleme auslösen. Auf diese Gefahr der Reise nach innen verweist Brian Draper an keiner Stelle. Dies ist ein Nachteil des Buches, da gerade Menschen in der Sinnsuche häufig in ihrem sonst als stabil erfahrenen Wesenskern verunsichert sind. Insofern ist das Buch eine bereichernde Lektüre für alle, die gesund mit beiden Beinen im Leben stehen.

Brian Draper: Spirituelle ­Intelligenz. Präsenz Verlag, Hünfelden 2010, 240 Seiten, Euro 19,95.

Bettine Reichelt

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