Fremd in der Welt

Kein Weg führt nach Hause
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Es ist packend, wie der Wiener Burgschauspieler Martin Wuttke das Werk des österreichischen Schriftstellers und Journalisten inszeniert.

Zügig, fast rasant liest der Wiener Burgschauspieler Martin Wuttke das erste Kapitel dieses Romans von Josef Roth. Es ist packend, wie er das Werk des österreichischen Schriftstellers und Journalisten inszeniert: Fakt an Fakt, in kurzen Sätzen wird der Zuhörende vereinnahmt und mitgerissen.

"Ich habe nichts erfunden, nichts komponiert. Es handelt sich nicht mehr darum zu dichten. Das Wichtigste ist das Beobachtete", erklärt Josef Roth seinen Lesern und Hörern. Und so beschreibt er den Protagonisten, um den es in diesem als Hörbuch neu aufgenommenen Klassiker (1927) der deutschen Literatur in 250 Hörminuten geht: Franz Tunda.

Sein Wunsch nach Freiheit sei seine deutlichste Eigenschaft, sagt Roth über ihn. Der österreichische Of­fizier flieht im Ersten Weltkrieg aus rus­sischer Kriegsgefangenschaft. Seine Odys­see führt ihn in die Wirren des russischen Bürgerkriegs und dann über Kattowitz nach Wien und Paris. Doch jeder Ort, ob Baku, Moskau oder Paris, erweist sich bloß als weitere Station seiner Rastlosigkeit. Tunda findet sich nirgendwo zurecht; er ist in eine Welt zurückgekommen, in der er nicht mehr heimisch wird: "Ich glaube, dass ich sehr fremd geworden bin." Doch wie ist Tunda zu helfen?", fragt der Erzähler Josef Roth und gibt seinem Text eine zeitlose Aktualität.

Zeitlose Aktualität

Martin Wuttke gelingt es lesend, den manchmal verwirrend schnellen Wechsel der Erzählperspektiven nachzuvollziehen, von Roth zu Tunda, der dann wie in einem Tagebuch notiert, berichtet. Schnörkellos meistert Wuttke diese Übergänge. Ungekürzt, aktuell und brillant inszeniert ist das Hörbuch von Brigitte Landes.

Josef Roth: Flucht ohne Ende. 3 CDs. Diogenes Verlag, Zürich 2010.

Kathrin Jütte

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Kathrin Jütte

Kathrin Jütte ist Redakteurin der "zeitzeichen". Ihr besonderes Augenmerk gilt den sozial-diakonischen Themen und der Literatur.


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