zeitzeichen - Evangelische Kommentare zu Religion und Gesellschaft

Editorial

Liebe Leserin,

lieber Leser,

der Schwerpunkt dieser Ausgabe beschäftigt sich mit dem Buddhismus. Diese Religion verzeichnet in Europa zwar keine Massenbeitritte, aber sie erfreut sich - mit zunehmender Tendenz - großer Sympathien. Ja, wer kann sich schon der Sanfmut und der Heiterkeit entziehen, die buddhistische Mönche oft ausstrahlen?

Aber das ist natürlich ein oberflächlicher Eindruck. Mir fiel in diesem Zusammenhang das Interview ein, das eine Zeitung vor einiger Zeit
mit einem Journalisten und Reiseschriftsteller geführt hatte. Ich war erstaunt, dass der im wahren Sinne des Wortes er-fahrene Mann -bekannte, selbst wenn man ein Land oft bereise, könne man sich ihm letzlich - nur annähern.

Diese nüchterne, ja demütige Einsicht gilt auch für andere Konfessionen und Religionen. Es ist wichtig, sich mit ihnen zu beschäftigen. So lassen sich eigene Vorurteile abbauen. Und Christen können von Anders­gläubigen auch lernen, dem Ratschlag des Apostels Paulus folgend: "Prüft alles, und das Gute behaltet". Doch letztlich dürften uns andere Religionen fremd bleiben, erst recht, wenn sie in eine fremde Kultur eingebettet sind. Unter Umständen wächst die Befremdung, je näher man ihnen kommt.

So erging es einem Schwaben, der längere Zeit als Mönch in einem buddhistischen Kloster Thailands lebte. Schließlich entdeckte er dort, angeregt von einem anderen Mönch, sein eigenes geistliches Erbe. Er las die Bibel, studierte - nach Hause zurückgekehrt - Theologie und wurde Pfarrer, ohne die Hochachtung vor dem Buddhis­mus zu verlieren.

Neue Entdeckungen wünsche ich Ihnen beim Lesen dieser Ausgabe und wenn Sie Andersgläubigen persönlich begegnen.

Herzliche Grüße auch im Namen der Redaktion,

Ihr

Jürgen Wandel