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Seelengroove

The Slackers: Behandlung, die gut tut

Udo Feist

Erfrischender Bandsound, der Blues und Soul in den Ska-Ansatz integriert. Die Schwielen des Schicksals oder nur des vermaledeiten Tages hart und spürbar an den Händen, wird eben mitunter eben doch ein Tänzchen daraus - wenn den pumpende Groove über Füße und Bauch in die Seele fährt.

Arbeit kann einem den Tag versauen, keine aber auch. Diese erfahrungsgesättigte Weisheit lauert im vorderhand schlichten Uptempo-Reggae "Eve­ry day is sunday", der das 14. Album der New Yorker Ska-Band The Slackers eröffnet (Sänger Vic Ruggiero). Immer Sonntag hat nämlich, wer arbeitslos ist, allerdings um den Preis, dass dann der Freitag nie kommt und stimmungsmäßig der (nie erreichte) nächste Tag im­mer ein dräuender Montag ist. Kein schönes Los, allerdings auch kein Exemplum für klassischen Proletarierpop - was eigentlich eine passende Schublade wäre, da diese elegant tanzbare Offbeat-Musik mit Wurzeln in Rhythm'n'Blues, Jazz, Soul und Karibikrhythmen bei uns vor allem junge Arbeiter ansprach.

Damals, als Musik und Milieubindung noch eine Hausnummer war. Die 1991 gegründeten Slackers (zu deutsch etwa "Bummelant", aber gern auch mit "Gammler" zu übersetzen) sind jedoch wie die Musik vor derlei nostalgischer Fixierung gefeit, wie schon ihr kompakter erfrischender Bandsound zeigt, der Blues und Soul in den Ska-Ansatz integriert. Kurzum, diese Jungs können, wollen spielen, keine Klischees plakatieren, und sie haben bodenständigen Esprit, Witz, wie am Sonntagsbeispiel gut zu sehen: Sie wissen, es wäre nicht der Planet Erde, wenn es keinen Haken gäbe. Entsprechend geht es im Dickicht Leben denn auch vor allem um Gleich- und Gutgewichte.

Und wie ließen die sich besser tarieren als mit Ska! Die Schwielen des Schicksals oder nur eines vermaledeiten Tages hart und spürbar an den Händen, wird mitunter eben doch ein Tänzchen daraus - wenn der pumpende Groove über Füße und Bauch in die Seele fährt. Treffender als Self Medication (Selbst­behandlung oder -medikamentierung) könnte der Titel kaum sein: So weit die Platte vom Konzeptalbum auch entfernt ist, so markant bringt sie auf den Punkt, was Ska (oder weiter: Pop) geben können, wenn sie gut sind - schlicht, effektiv, offenherzig, bedroht, unverdrossen, wahr. Proletkult, der sich mal nicht schämen muss. Die Slackers-Self Medication reicht von der introvertierten, at­mos­phärisch dich­ten Ballade des einsamen Wanderers/Hobos "Walkin' with myself" bis zum melancholischen Power-Pop-Song "Stars", in dem der Chorgesang unhaltbar anschwillt wie das Wasser im Tränenkanal, sich mit fetten Bläsern Bahn bricht, eine Gitarrenlinie drauflegt und mit psychedelischen Tupfern Versöhnung schließt. Trauer, die aufbaut, dicht gefolgt von einem hüpfenden Fast-Balkan-Ska mit entfesselter Jericho-Posaune. Behandlung, die gut tut.

The Slackers - Self Medication. moanin'/Al!ive 2008.

 

Erschienen in zeitzeichen 12/2008.

 

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