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Lebensvoll

Aus dem Dreißigjährigen Krieg

Jürgen Israel

Dem Roman "Die Hure und der Henker" von Ingeborg Arlt kommt nicht nur die genaue Ortskenntnis der Autorin von Pritzwalk zugute, sondern auch die aufwändigen Recherchen. Das Buch wurde mit dem C.S. Lewis-Preis 2007 ausgezeichnet.

"Die Wahrheit siegt. Ja." Mit diesem trotzig-zuversichtlichen Satz beginnt eine wichtige Neuerscheinung dieses Herbstes, Ingeborg Arlts Roman aus dem Dreißigjährigen Krieg. Er spielt in Pritzwalk, wo die 1949 geborene Autorin aufgewachsen ist. Die genaue Ortskenntnis kommt dem Buch ebenso zugute wie die aufwändigen Recherchen: Ingeborg Arlt hat alte Koch- und Arzneibücher gelesen, Predigten studiert, sich über den Gartenbau im 17. Jahrhundert informiert und kann an passender Stelle eine zeitgenössische Anleitung zitieren, wie man Söhne statt Töchter zeuge. Dieses gründliche Wissen macht die Geschichte farbig und lebensvoll, charakterisiert die Zeit und präzisiert die sozialen, geistigen und geistlichen Bedingungen, aus denen die spannende, sich zu einem überraschenden Ende abrundende Handlung erwächst.


Die Handlung setzt 1618 mit der Hochzeit von Judith Heinisch, der Tochter eines Magisters, und dem aus einer reichen Ratsherrenfamilie stammenden Christian Kober ein. "Damals fürchtete man sich in Pritzwalk noch nicht vor den Fliegen", heißt es, und: "Die Wahrheit ist: Sie bemerkten kein Zeichen." Damit ist neben dem Trompetenstoß von der siegenden Wahrheit das Verhängnis angedeutet, das sich zwanzig Jahre später zur Katastrophe für Pritzwalk und seine Bewohner ausweiten wird, wenn nämlich die Pest in der Stadt wütet und schwedische Soldaten plündernd und mordend durch die Straßen ziehen.


Das Besondere an Ingeborg Arlts Dichtung, sie hat neben dem Roman Das kleine Leben Erzählungen, Essays und Gedichte veröffentlicht, ist die Genauigkeit der Sprache, der sorgfältige Umgang mit den Worten (den sie gelegentlich humorvoll-entlarvend thematisiert). Sie hat ein feines Gespür für die falschen, lügnerischen und heuchlerischen Töne (etwa bei Beerdigungsreden), für opportunistisches sich Anbiedern.
Die Hure und der Henker wurde mit dem C.S. Lewis-Preis 2007 ausgezeichnet. Die Juroren ehren sich selbst, wenn sie den Preis diesem herausragenden Roman zu erkennen.

Erschienen in zeitzeichen 12/2008.

 

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