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Genialer Banda-Mix

Der Jazzer Trovesi in der Opernwelt

Ralf Neite

Die neue CD von Gianlugigi Trovesi ist eine Hommage an die Tradition der italienischen Bandas, die nicht nur ein musikalischer, sondern auch ein sozialer Schmelztiegel waren. Sie spielten einst eine Mixtur aus Märschen, Walzern, neapolitanischen Liedern und Auszügen aus Opern.

Man kennt sie allzu gut, diese "Classic meets Pop"-Projekte. Seit die Londoner Symphoniker in den Siebzigern damit begonnen haben, ist die Versuchung für klassische Ensembles groß, ihre instrumentale Kunst in den Untiefen massentauglicher Unterhaltungskultur zu beweisen. Umgekehrt fühlen sich Pop-Größen immer wieder zu klassischen Weihen berufen und komponieren "ernste" Musik. Die gute Absicht hinter den stilistischen Brückenschlägen soll nicht geleugnet werden, aber seien wir ehrlich: Die Resultate klingen fast durchweg scheußlich.

Wenn es jemanden gibt, der dieses Urteil zu widerlegen vermag, ist es Gianluigi Trovesi. Der italienische Klarinettist und Saxophonist ist dem Label nach ein Jazzer, doch das hat ihn nie daran gehindert, die Augen und Ohren für alles offen zu halten, was um ihn herum ­geschieht. Auf seiner CD Vaghissismo ­Ritratto hat er es fertig gebracht, Werke von Palestrina und Orlando di Lasso mit Songs von Jacques Brel oder dem Italo-Pop-Sänger Luigi Tenco zu vereinen.

Noch spannender ist sein neuestes Projekt Gianluigi Trovesi all'Opera - Profumo di Violetta. Trovesi und die Oper: Diese Verbindung führt zurück in die Kindheit des Musikers, Arrangeurs und Komponisten. Aufgewachsen ist er in dem kleinen Dorf Nembro, wo die örtliche Blaskapelle (wie so viele "Bandas" in ganz Italien) eine Mixtur aus Märschen, Walzern, neapolitanischen Liedern und Auszügen aus beliebten Opern spielten. Als der Klarinettist der Kapelle einen schlimmen Unfall hatte und nicht mehr spielen konnte, entschloss sich der junge Trovesi, selbst das Instrument zu erlernen und dem "Premiato Corpo Musicale" beizutreten.

Die neue CD ist eine Hommage an die Tradition der Bandas, die nicht nur ein musikalischer, sondern auch ein sozialer Schmelztiegel waren. In ihnen waren Mitglieder aller Gesellschaftsschichten und Altersstufen willkommen. Allerdings werden sie wohl kaum so umwerfend geklungen haben wie Trovesi und die Filarmonica Mousiké mit ihren mehr als fünfzig Bläsern und fünf Schlagzeugern unter der Leitung von Savino Acquaviva.

All'Opera ist als Suite angelegt, die bei Monteverdis Orfeo beginnt und (unter anderem) über Pergolesi, Verdi, oder Rossini zu Puccinis Tosca führt. Eigene Kompositionen und Improvisationen Trovesis bilden geniale Überleitungen. Diese Suite enthält brillant dahinrauschende Melodien, sakral-weihevolle Momente, packende Emphasen, feinsinnige Zitate und ganz viel leichtfüßigen Humor. Man soll eigentlich mit Superlativen vorsichtig sein. Egal: Was für ein Geschenk!

Gianluigi Trovesi all'Opera - Profumo di Violetta. Filarmonica Mousiké unter der Leitung von Savino Acquavica. ECM 2008.

 

Erschienen in zeitzeichen 12/2008.

 

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