Hellste Harmonie
Wärmend: Vivaldis Violin-Doppelkonzerte
Vivaldi: Kaum jemand ist derart prädestiniert, Licht in die kurzen Tage bringen.Viktoria Mullova und Giuliano Carmignola interpretieren auf galante Weise sechs Doppelkonzerte, unterstützt vom noblen Klanggewand, das Andrea Marcon und das Venice Baroque Orchestra zur Verfügung stellen.
Von allen dunklen Monaten ist der Januar vielleicht der schwerste. Seit Mitte November ist Winter, der Lichterschmuck der Adventszeit ist abgebaut und höchstwahrscheinlich wird die feuchte Kälte bis April in den Knochen bleiben. Doch bevor die Gedanken allzu trist werden, lohnt es sich, den CD-Player in Betrieb zu nehmen und Musik von Vivaldi einzulegen.
Vivaldi: Kaum jemand ist derart prädestiniert, Licht in die kurzen Tage bringen. Und es müssen durchaus nicht immer die Vier Jahreszeiten sein. Es gibt so viel wunderbare Violinmusik des italienischen Barock-Meisters, nur bekommt man sie so gut wie nie zu hören. Der Klassikmarkt weiß, dass mit Neuaufnahmen von tausendfach gehörten Werken in der Regel am leichtesten Geld zu machen ist. Umso glücklicher reagiert der Klassikfan, wenn er auf Neues stößt. Und welche Schätze wären allein bei Vivaldi zu entdecken! Fast 250 Violinkonzerte sind erhalten, darunter 28 Doppelkonzerte, von denen die meisten als Handschriften in der Turiner Nationalbibliothek aufbewahrt werden.
Mit der CD Vivaldi - Concertos For Two Violins befriedigt die Archiv-Reihe der Deutschen Grammophon zumindest einen kleinen Teil der Neugier. Viktoria Mullova und Giuliano Carmignola interpretieren auf galante Weise sechs Doppelkonzerte, unterstützt vom noblen Klanggewand, das Andrea Marcon und das Venice Baroque Orchestra zur Verfügung stellen. Die ausgewählten Werke sind Beispiele für das von Vivaldi perfektionierte Ritornell-Prinzip: Kraftvolle, klar umrissene Tutti-Passagen wechseln sich mit gleißenden Solo-Einsätzen ab, die nur von wenigen Streichern begleitet werden.
Die beiden Solisten sind fast durchweg gleichberechtigt, präsentieren sich im musikalischen Zwiegespräch, das mitunter in einen bravourös ausformulierten Wettstreit mündet. Der Hörer kann die einzelnen Stimmen kaum trennen - auf CD wirkt es oft so, als ob ein einziges Soloinstrument zu hören ist. Umso faszinierender sind die Momente, wenn die beiden Geigen sich in hellster Harmonie miteinander verbinden. Im Alltag neigt Schönfärberei dazu, Langeweile zu erzeugen. Anders bei Vivaldi, der bei aller spritzigen Konsonanz nie die nötige Tiefe vermissen lässt. Einen Tipp noch: Die Scheibe lässt sich auch ganz laut über den CD-Spieler im Auto genießen.
Antonio Vivaldi - Concertos for Two Violins. Venice Baroque Orchestra, Andrea Macon. Deutsche Grammophon, 477 74 66.
Erschienen in zeitzeichen 01/2009.
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